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Verkündigung:
Wir haben Jesus
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Bibeltext:
"…im Namen Jesu Christi von
Nazareth steh auf und geh umher."
Apostelgeschichte 3, 1 – 10. Einleitung.
Stanley Jones, ein amerikanischer Indienmissionar im letzen Jahrhundert
war auf einem Religionsgespräch mit Vertretern der verschiedenen
Religionen. Dabei wurde er eingehend befragt, was das Christentum
besseres habe als ihre Religion. Dabei ging es um die Fragen von
Recht und Gerechtigkeit, um Tiefenerkenntnisse der menschlichen
Seele und Moral, um Gotteserkenntnis und Weisheit und viele andere
Zusammenhänge des menschlichen Lebens in Zeit und Ewigkeit.
auf jede Frage gab Stanley Jones stereotyp die gleiche Antwort:
"Wir haben Jesus!" Damit hatte er die Mitte des Evangeliums,
das Zentrum des christlichen Lebens gekennzeichnet; denn im Christsein
geht es zutiefst nicht um eine Lehre, sondern um die Lebensgemeinschaft
mit Jesus Christus, dem gekreuzigten, auferstandenen und wiederkommenden
Herrn, der gesagt hat: "Ich bin der Erste
und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und siehe, ich bin
lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der
Hölle und des Todes."
Offenbarung des Johannes Kapitel 1, Vers 18
Zwei Jünger Jesu, Petrus und Johannes, auf dem Weg zum Gebet.
So lesen wir in der Textgeschichte: "Petrus
und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, zur
Gebetszeit". Ihr Sinnen und Denken war auf den lebendigen
Gott, auf Anbetung, Bitte, Gebet und Fürbitte ausgerichtet.
Eine überraschende Störung.
Sie wurden angesprochen von einem, von Geburt an, gelähmten
Mann, der an der Tempelpforte saß und um ein Almosen bat.
Ihre Gedanken waren auf Gott und den Himmel gerichtet und nun wurden
sie konkret auf die Not und das Elend eines Menschen an ihrem Weg
gestoßen. Sollten sie nicht schnell vorüber gehen, um
den Gottesdienst im Tempel nicht zu versäumen? Der Mönchsvater
Benedikt von Nursia hat es seinen Jüngern eingeschärft:
"Dem Gottesdienst darf nichts vorgezogen werden!" Petrus
und Johannes aber erinnern sich, wie ihr Meister sich der Armen
und Kranken, Elenden und Gebrechlichen am Wege angenommen hat, und
vor wenigen Tagen, vor seiner Himmelfahrt, sagte er ihnen: "Ihr
werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen
wird, und werdet meine Zeugen sein."
So lesen wir weiter:
"Petrus aber blickte den Gelähmten an mit Johannes".
Nicht oberflächlich, sondern intensiv, indem er den Kranken
aufforderte: "sieh uns an!" Eine direkte Beziehung soll
aufgebaut werden mit der Frage, was der eine vom anderen erwartet
und was jeder dem anderen geben kann.
Weiter ist beachtenswert, dass es heißt: "Petrus
aber blickte ihn an mit Johannes".
Das unterstreicht die Einheit der beiden Jünger, die gemeinsam
handeln, wenn auch Petrus der ist, der spricht und handelt. Steht
da nicht das Wort Jesu im Hintergrund: "Wahrlich,
ich sage euch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum
sie bitten wollen, so soll es Ihnen widerfahren von meinem Vater
im Himmel." War das wohl auch der Hintergrund, warum
Jesus seine Jünger immer zu zweit ausgesandt hat?
"Silber und Gold habe ich nicht."
Das ist das erste, was Petrus zu sagen hat, und damit ist er, menschlich
gesehen, uninteressant für den Menschen in seiner Not, der
nichts anderes erwartet als eine Hilfe für seinen Lebensunterhalt.
Doch in seiner Aussendungsrede an die Jünger sagt ihnen Jesus:
" Ihr sollte nichts mitnehmen auf den Weg als allein einen
Stab, kein Brot, keine Tasche, kein Geld im Beutel." Was sie
den Menschen bringen sollen ist die Botschaft: "Das
Himmelreich ist nahe herbeigekommen, tut Buße und glaubt an
das Evangelium!"
So sagt Petrus im Ganzen: "Silber
und Gold habe ich nicht, aber was ich habe, das gebe ich dir: Im
Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!"
Und nun ergreift Petrus den Gelähmten bei der rechten Hand
und richtet ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel
fest, er sprang umher und lobte Gott.
Als Petrus und Johannes sich wenig später vor dem Hohen Rat
verantworten müssen, fasst Petrus das ganze Geschehen zusammen
mit den Worten: "Ihr Oberen und ihr Ältesten,
so euch und dem ganzen Volk Israel kund getan: "Im Namen Jesu
Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den
Toten auferweckt hat; durch ihn steht dieser hier gesund vor euch.
Das ist der Stein, den die Bauleute verworfen, der zum Eckstein
geworden ist. Und in keinem anderen ist Heil, auch keine anderer
Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den sie sollen
gerettet werden."
So ist mit dem Wort: "Im Namen Jesu
Christi von Nazareth, steh auf und wandle!" die entscheidende
Hilfe für den Gelähmten. Im Glauben an Jesus wird ihm
ein neues Leben ermöglicht.
"Wir haben Jesus!"
dieses Wort steht über der ganzen Betrachtung. Und es wird
für die, die von ganzem Herzen an ihn glauben zur selbst prüfenden
Frage, was das für uns an Kraftwirkungen auslöst. Denn
das letzte Wort Jesu gilt doch auch heute noch: "Ihr
werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine
Zeugen sein." Der Vorwurf
des Philosophen Nietzsche trifft uns doch immer wieder: "Die
Christen müssten erlöster aussehen, wenn ich an ihren
Erlöser glauben sollte." Doch es geht nicht so sehr um
das Aussehen, als um das erlöste Leben.
Johannes Riedinger, 2007, Paulusgemeinde Nürnberg
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Verkündigung:
Begegnungen mit Jesus
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Jesus
will uns begegnen.
Begegnungen sind unglaublich wichtig. Menschsein ohne Begegnung
ist nicht möglich. Wir sind auf Begegnungen angewiesen. Gott
hat uns Menschen als Wesen geschaffen, die auf Beziehungen und Begegnungen
ausgelegt sind.
Ohne Beziehungen, ohne Begegnungen können wir nicht leben.
Begegnungen können uns öffnen, uns fördern, uns helfen.
Aber genauso können Begegnungen auch hemmen, lähmen und
verletzen. Jede Begegnung ist ein Wagnis. Jedesmal wenn wir uns
jemandem öffnen und mitteilen gehen wir das Risiko ein, dass
wir auch verletzt werden können. Und dennoch ist es für
das Leben unumgänglich, dass wir uns immer wieder auf neue
Begegnungen einlassen.
In den Evangelien finden wir viele Begegnungserzählungen. Sie
berichten wie Jesus anderen Menschen begegnet - und das auf unterschiedlichste
Weise. Ich möchte anhand von drei Geschichten über Begegnungen
Jesu mit anderen Menschen mit ihnen nachdenken. Die drei Erzählungen
haben unterschiedliche Schwerpunkte:
1. Eine Begegnung die verändert (Lukas 19,1-10)
2. Eine anstößige Begegnung (Lukas 7,36-50)
3. Eine Begegnung, die neue Perspektiven schafft (Lukas 24,13-35)
1. Eine Begegnung die verändert.
Wir kennen sie wahrscheinlich alle: die Geschichte von Zachäus
dem Zöllner. Er betrieb den Zollplatz Jericho und hatte gute
Einnahmen, da er sich die Durchreise meist hoch bezahlen ließ.
Dieser Mann will Jesus sehen. So steigt er auf einen Baum und kann
Jesus so beobachten. Da kommt Jesus auf ihn zu, geht zum Baum und
spricht ihn an: „Steig schnell vom Baum herunter, ich will
heute dein Gast sein.“ Welche Überraschung! Völlig
unerwartet kommt Jesus auf den Menschen zu, der für viele ein
Ärgernis ist, weil sie sich von ihm betrogen fühlen. Und
genau diesen Menschen spricht Jesus an und macht auf diese Weise
eine ungewöhnliche Begegnung möglich.
Zachäus ist hocherfreut und lässt sich auf die unerwartete
Begegnung ein. In dieser Geschichte wird nicht davon erzählt,
dass Jesus Zachäus ins Gewissen redet oder Umkehr predigt.
Jesus kehrt einfach bei Zachäus ein und begegnet ihm offen,
ohne Vorurteile und mit Liebe. Das verändert Zachäus und
von sich aus will er die Hälfte seines Vermögens Armen
geben und wo er unrecht getan hat will er das vierfache zurückzahlen.
Jesus begegnet hier bewusst jemandem, der in seinem Umfeld nicht
geliebt wurde. Er kehrt nicht bei jemandem ein, der sowieso neben
ihm steht oder ihm nachfolgte. Er lässt den Spott der Leute
auch über sich ergehen, nur um diesem einen zu begegnen. Ich
kann den Ärger der Leute um Jesus verstehen. Er leitet die
Zollstelle und macht krumme Geschäfte. Und warum geht dann
Jesus gerade zu ihm?
Im Urteilen bin ich - sind wir oft schnell. Da bekommen wir Informationen
über andere und denken: na, ob das die richtige Entscheidung
war?! Oder: Das wäre aber doch vermeidbar gewesen, oder?! Und
so wie ich dann leicht über andere urteile, so sprechen die
anderen dann wahrscheinlich über mich und wissen es wieder
besser.
Aus diesem Grunde geht Jesus zu Zachäus. Er lässt sich
nicht von den Vorurteilen und Beurteilungen der anderen leiten.
Er macht echte Begegnung möglich, wo bisher keine möglich
war. Und so will Jesus auch uns heute begegnen: ohne die Vorurteile
die andere gegen uns haben, ohne die Vorurteile die wir mitbringen.
Er geht auch auf uns zu. Die Begegnung mit Jesus kann sich auswirken.
Wir sind von ihm angenommen und können verändert mit unserem
Umfeld umgehen – wie auch Zachäus es erlebte. Er gestand
sich ein, dass er im Umgang mit anderen Fehler machte. Er wollte
daran etwas ändern.
Jesus schenkt auch uns in der Begegnung mit ihm den Mut und die Kraft
etwas zu verändern.
2. Eine anstößige Begegnung
Jesus wird eingeladen von dem Pharisäer Simon in seinem Hause
zu speisen. Und da geschieht die unerwartete Begegnung. Hier ist
es nicht Jesus der die Begegnung fordert, sondern er ist der, der
sie zulässt. Eine Frau, nicht mit Namen genannt, aber wohl
eine stadtbekannte Prostituierte, taucht auf. Sie spricht nicht,
aber sie benetzt mit Tränen Jesu Füße und trocknet
sie mit ihren Haaren ab und salbt sie mit Öl. Kaum zu glauben,
aber in dem Haus des Pharisäers Simon lässt sich Jesus
von einer Prostituierten salben. Ihr Verhalten war anstößig:
einem fremden Mann die Füße zu salben – das geht
nicht! Und dann noch diese zu küssen – nein das gehört
sich nicht! Und auch Jesus verhält sich hier ungehörig:
Er ist in einem fremden Haus, bei einem Pharisäer, und lässt
das ungehörige Verhalten der Frau geschehen.
Aber Jesus sieht nur die Frau – nicht ihr ungehöriges
Verhalten, sondern ihre Tränen, ihre Not und ihre Sehnsucht
nach Anerkennung und wahrer Liebe. Diese Begegnung ist unerhört!
Und doch zeigt sie wieder, dass Jesus sich auf die Menschen mit
ihrer Geschichte und ihren Fehlern einlässt und dadurch Veränderung
möglich macht. Jesus vergibt dieser unverschämten Frau
ihre Sünden und sagt ihr sie solle in Frieden gehen, weil ihr
Glaube ihr geholfen hat.
Jesus überwindet in dieser Begegnung Grenzen, dadurch wird
diese einzigartige Begegnung möglich. Durch diese Grenzüberwindung
wird Umkehr möglich und Jesus vermittelt eine neue Sichtweise
und bewegt zum Umdenken.
Jesus zeigt uns durch die Begegnung mit der Frau: Wir können
uns Jesus in unserem Versagen anvertrauen, ihm unser Herz ausschütten.
Er begegnet uns mit seinem weiten Herz, auch wenn das für andere
womöglich unverschämt oder anstößig aussehen
mag. Jesus hört nicht auf die anderen, sondern spricht jedem
von uns zu: Dir ist vergeben! Das setzt uns auf den Weg in die Zukunft.
Unsere Beziehungen werden lebendig, Jesus macht den Weg zu Gott frei,
Gottes Kraft kann in unseren Beziehungen wirken, Frieden schaffen,
Liebe ermöglichen.
3. Eine Begegnung die neue Perspektiven schafft
Die Jünger sind nach Jesu Tod enttäuscht und traurig.
Haben sie doch ihre ganze Hoffnung auf Jesus gesetzt und nun ist
alles dahin. Sie haben die Auferstehung noch nicht begriffen. Die
beiden Jünger wandern von Jerusalem nach Emmaus. Sie reden
miteinander über ihre Enttäuschung und Trauer. So kann
sich Jesus, der Auferstandene, als unerkannter Wanderer in das Gespräch
einklinken. In ihrer Trauer, ihrer Hoffnungslosigkeit erkennen die
Jünger nicht, wer da mit ihnen geht, dass es Jesus ist, der
mit ihnen spricht.
Viele von uns kennen das: wenn wir hoffnungslos und traurig sind,
dann wird unser Blick getrübt und wir erkennen nicht, wie uns
Jesus genau in der scheinbaren Ausweglosigkeit begegnen will. Wie
die Jünger werden wir in solchen Situationen davonlaufen wollen.
Aber wir sind nicht allein auf diesem Weg.
Jesus geht unerkannt mit den Jüngern mit und legt ihnen die
Schrift aus. Unerkannt gibt er den Jüngern neue Perpektiven.
Er zeigt ihnen, dass Jesu Tod nicht das Ende war. Er zeigt ihnen,
dass die Hoffnungslosigkeit nicht bleiben muss, sondern vergehen
kann.
Die Jünger erkennen Jesus erst am Ende. Sie genießen
bis dahin die Anwesenheit des vermeintlich fremden Mannes und bitten
ihn bei der Ankunft in Emmaus bei ihnen zu bleiben. Und als seien
sie aus der Perspektivlosigkeit und Hoffnungslosigkeit erwacht,
wird ihnen beim Brot brechen plötzlich offenbar: „Das
ist Jesus der uns begleitet hat.“ In diesem Moment der Erkenntnis
verschwindet Jesus. Aber im Nachhinein wird es den Jüngern
klar: ja er hat uns ermutigt, er hat uns aus unserer Dunkelheit
heraus geholt. Sie gehen ermutigt und bekräftigt nach Jerusalem
zurück, um die anderen Jünger zu suchen und ihnen zu berichten.
Jesus lehrt uns unsere Enttäuschungen zu überwinden und
wieder Hoffnung zu schöpfen.
Drei konkrete Begegnungen Jesu haben wir betrachtet:
Es sind Begegnungen, die Menschen verändert haben.
Begegnungen, die anstößig sind.
Begegnungen die neue Perspektiven schaffen.
Und alle zeigen uns: Jesus will uns begegnen und ermutigen einander
und anderen zu begegnen.
Diese drei Begegnungen zeigen uns wie facettenreich und unterschiedlich
Begegnungen sein können. Jesus engt uns da nicht ein. Er ist
bereit uns in jeder Lebenslage zu begegnen und ermutigt uns damit
auch unseren Mitmenschen in jeder Lage zu begegnen.
Erinnern wir uns an die Gedanken vom Anfang: Jede Begegnung ist ein
Wagnis. Aber ohne Begegnungen können wir nicht leben. Begegnungen
können erfreuen und enttäuschen, uns weiterbringen und frustrieren.
Aber eines ist sicher: es wird kaum eine Begegnung geben, die nicht
etwas mit uns macht. Die Erzählungen der Begegnungen Jesu zeigen
eine Tiefe, die auch wir in Begegnungen mit ihm und miteinander erfahren
können: Begegnung verändert. Begegnung schafft neue Perspektiven.
Begegnung verwundert. Begegnung führt in lebendiges Leben.
Damaris Hecker, 2007, Paulusgemeinde Nürnberg
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Verkündigung:
Wenn Gott sich in den Weg stellt
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1 Mose aber hütete die Schafe Jethros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe hinter die Wüste und kam an den Berg Gottes, Horeb.
2 Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Busch. Und er sah, daß der Busch mit Feuer brannte und ward doch nicht verzehrt;
3 und sprach: ich will dahin und beschauen dies große Gesicht, warum der Busch nicht verbrennt.
4 Da aber der HERR sah, daß er hinging, zu sehen, rief ihm Gott aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.
5 Er sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe aus von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist ein heilig Land!
6 Und sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich Gott anzuschauen.
7 Und der HERR sprach: Ich habe gesehen das Elend meines Volkes in Ägypten und habe ihr Geschrei gehört über die, so sie drängen; ich habe ihr Leid erkannt
8 und bin herniedergefahren, daß ich sie errette von der Ägypter Hand und sie ausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, an den Ort der Kanaaniter, Hethiter, Amoriter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter.
9 Weil nun das Geschrei der Kinder Israel vor mich gekommen ist, und ich auch dazu ihre Angst gesehen habe, wie die Ägypter sie ängsten,
10 so gehe nun hin, ich will dich zu Pharao senden, daß du mein Volk, die Kinder Israel, aus Ägypten führest. 11 Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, daß ich zu Pharao gehe und führe die Kinder Israel aus Ägypten?
12 Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir ein Zeichen sein, daß ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge.
Exodus (2. Buch Mose), Kapitel 3, Verse 1 - 12, 4)
Ist das Leben in guten Bahnen, der Alltag im Griff, das Team vertraut, dann soll es möglichst immer so weiter gehen. Der Schüler wünscht sich gute Noten, nicht zu viel Stress und immer wieder Interessantes und Lustiges in den Schulstunden, der Arbeitende die Kraft die gewohnten Herausforderungen zu bestehen, und jemand, der in einem guten Team arbeitet, will, dass das Team so bleibt.
Urs will Germanistik studieren, Werner leidet an seinem Leben, sieht aber auch keine Möglichkeit etwas daran zu ändern, und Mose will im Betrieb seines Schwiegervaters Viehzucht treiben.
Und plötzlich wird alles anders: Wenn sich Gott in den Weg stellt…
Der Germanistikstudent erlebt es auf eine sehr dominante Art auf einem Spaziergang im Schwarzwald und schreibt darüber 30 Jahre später: „was damals blitzartig vor meinen Geist trat; es war einzig und allein dies: Du hast nichts zu wählen, du bist gerufen; du wirst nicht dienen, man wird sich deiner bedienen; du hast keine Pläne zu machen, du bist … ein kleines Steinchen in einem Mosaik, das längst bereit steht.
Ich brauchte nur „alles zu verlassen und nachzufolgen“, ohne Pläne zu machen, ohne Wünsche und Einsichten; Ich brauchte nur dazustehen und zu warten und zuzusehen, wozu man mich brauchen würde. Und so geschah es“ 1) Werner hat seit zwei Jahren Kontakt zu einer Gemeinde. Bestimmten Menschen verdankt er sehr viel. Sein Leben war von Alkoholexzessen geprägt. Schließlich wird ihm bei einem Bibelabend die Schwere seines Lebens bewusst und er entdeckt Jesus Christus so real, dass er eine Liebe und Kraft in seinem Leben sieht, die ihn mit aller Gewalt ein neues Leben anfangen lassen will. 2)
Mose hütet die Tiere seines Schwiegervaters bei den Midianitern. Er wusste um das Seufzen und Schreien seiner israelischen Landsleute in Ägypten. Er hatte sich auch eingemischt, doch so, dass er fliehen musste. Jetzt begnügt er sich mit Familienfreuden und Beruf. Da wird er plötzlich mit einem politischen und höchst gefährlichen Auftrag konfrontiert: einer unterdrückten Minderheit soll er zur Freiheit verhelfen, geh zum Pharao und führe das Volk Israel aus Ägypten.
Der Germanistikstudent wurde zu einem bekannten katholischen Theologe, der kurz vor seinem Tod zum Kardinal ernannt wurde: Hans-Urs von Balthasar.
Werner F. besucht einen Kurs zur Gliederaufnahme in einer Gemeinde
Und Mose wird in der Glaubensgeschichte des jüdischen Volkes zu einem geistlichen und politischen Führer.
Wenn sich Gott in den Weg stellt…
Gott kann sich seinen Menschen in den Weg stellen. Er kann ihre Lebensausrichtung verändern, vertiefen, sie einem höheren Ziel unterordnen.
Er kann Menschen aus ihrem selbst gebastelten Loch herausholen und sie wieder auf ihre Füße stellen.
Er kann Menschen an ihrer Sehnsucht nach Veränderung packen, die zuvor meinten dafür selber nichts tun zu können.
Es gilt die Augen offen zu halten. Mit wachen Gedanken durch´s Leben zu gehen. Kleine und große Not zu erkennen und sich nicht daran zu gewöhnen. Ungerechtigkeiten wahrzunehmen und öffentlich zu machen.
Die wenigsten unter uns werden dadurch zu Befreiern von Minderheiten werden wie z.B. an den Christen im Irak. Aber vielleicht helfen wir den kleinen Seufzern zu mehr Zuversicht.
Und wer weiß, vielleicht steht dann plötzlich Gott in unserem Weg und wir hören die Worte: ich habe das Seufzen gehört. Und ich werde ihm abhelfen. Gehe Du hin.
Genau das, was im Kapitel 2 vom Volk Israel ausgesagt wird, genau das, was Mose dazu bewogen hat, einen Volksgenossen zu rächen, genau diese Not zitiert Gott in seiner Rede an Mose: Ich habe das Elend meines Volkes gesehen, ich habe ihr Leiden erkannt; ich werde sie herausführen in ein gutes Land, darin Milch und Honig fließt. … so geh nun hin. Ich will dich zum Pharao senden, damit Du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.
Wenn Gott sich in den Weg stellt, dann geschieht das oft in einer Weise, die unsere ureigensten Sehnsüchte, unser verborgenes Mitgefühl vor die Möglichkeit stellt, realisiert zu werden. Kein Wunder, dass der so Auserwählte antwortet: wer bin ich denn? Wer bin ich denn, dass ich zum Pharao gehe? Wer bin ich denn, dass ich mich politisch betätige? Wer bin ich denn, dass ich mich selbst da einbringe. Da kommen eine Reihe unüberwindbarer Probleme auf mich zu, für die ich keineswegs ausgebildet bin. Aber halt. Die Probleme sind Gottes Aufgabe. Du, gehe los. Du, gehe los und handle, wozu du dich gerufen glaubst, wenn Du mit wachem Sinn und offenen Augen durch Deine Familie, die Straßen, deine Gemeinde gehst.
Wenn Gott sich in den Weg stellt, dann werden unsere ureigensten Sehnsüchte vor die Möglichkeit gestellt, realisiert zu werden. Der Germanistikstudent Hans Urs von Balthasar wollte schon vorher sein Leben nach Gott ausrichten, Werner F. wollte seit dem Kontakt mit der Gemeinde vom Alkohol wegkommen. Mose wollte dass sein Volk aus dem Elend herauskommt. Nur wartete er auf einen anderen.
Ein zweites fällt mir auf: Wenn Gott sich in den Weg stellt, dann geschieht das lockend, nicht zwingend – und mitten im Alltag.
Mitten im Alltag, mitten beim Tiere Hüten. Mose geht nur etwas weiter als sonst.
Gott zwingt nicht. Gott kommt im Alltag. Er weckt Neugier. Da ist etwas, was nicht hineinpasst, was nicht stimmig ist, ein Brennen, aber kein Verbrennen. Gott lockt zur Begegnung durch das Außergewöhnliche mitten im Gewöhnlichen.
- Da ist der blinde Mann, der vor meinem Zimmer auf den Straßen umherirrt und offensichtlich die Orientierung verloren hat. Dem ich die Richtung sagen darf.
- Da sind die traurigen Eltern, deren16 jähriger Tochter in Nigeria das Bein amputiert werden muss, wenn sie nicht in Deutschland operiert werden kann, wenn die immensen Kosten nicht durch Spenden aufgebracht werden können. Und manchmal möchte man nur die Probleme sehen. Aber vielleicht sind sie es, die uns letztendlich zu ihm führen.
Er ist es, der lockt mit dem brennenden Dornbusch. Und Mose lässt sich locken. Und plötzlich steht Gott da. Vor ihm: Zieh Deine Schuhe aus. Denn der Boden auf dem DU stehst, ist heiliges Land. Und immer wieder ist es Gott, den Mose mehr und mehr erkennt auf dem Weg in die Freiheit. JHWH,
den 1. Zuverlässigen, mit dem man sicher rechnen kann,
den 2. Unverfügbaren, mit dem man rechnen muss, wann und wie er will,
den 3. Ausschließlichen, der eine klare Entscheidung erwartet als Einziger, der Halt und Maß geben darf,
den 4. Unbegrenzten, der auf keinen Ort, keine Institution und keine Zeit begrenzt werden darf. 3)
In Jesus Christus nimmt dieses Locken die Gestalt der unbedingten und bedingungslosen Liebe an. Am Kreuz stellt er sich dir in den Weg, sagt JA zu dir und will dich für seinen Auftrag gewinnen.
Selbst Mose lässt sich überwinden. Allerdings braucht er einen langen Weg. Aber nachdem alle Einwände Antworten und Hilfe gefunden haben, traut er Gott den Weg in die Freiheit zu.
Lassen wir uns mitnehmen auf einen Weg, der unsere Neugier weckt;
auf einen Weg, der Mut erfordert,
auf einen Weg, der uns vor ungewöhnliche Situationen stellt; - im Vertrauen darauf, dass Gottes Möglichkeiten unsere Vorstellungen übersteigen.
Stefan Veihlelmann, 2011, Paulusgemeinde Nürnberg
Literatur:
1) Aus W.Bader, Mein Gott: Mit bekannten Persönlichkeiten durch das Jahr. Verlag Neue Stadt, München, 1995
2) Evangelisch-methodistische Kirche: Ein JA finden, Kursheft S4
3) Punkte 1 - 4, Texte zur Bibel, 17, Grund finden Aussaat Verlag, 2002
4) Exodus (2. Buch Mose), Kapitel 3, Verse 1 - 12 - Übersetzung Luther
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Verkündigung:
Jesus in der Gegenwart
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Zunächst ein Bibeltext:
Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich
preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies
den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen
offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist
mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn
als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn
und wem es der Sohn offenbaren will.
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von
mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so
werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist
sanft, und meine Last ist leicht.
Evangelium nach Matthäus 11, Verse 25 -
30
1. Die Orientierung an Jesu.
Es mag vielleicht allzu selbstverständlich klingen, dass sich
eine Gemeinde an Jesus orientiert.
Aber das ist grundlegend und wichtig.
Eben weil eine Gemeinde etwas anderes ist als ein Verein, wo die
gemeinsamen Interessen verbinden. Oder als ein Unternehmen, das
verkaufen will.
Eine Gemeinde steht auf dem Grund, den Jesus Christus bildet. Und
orientiert sich an ihm.
Gerade in diesen Bibelversen tritt uns Jesus mit ausgebreiteten
Armen entgegen. Wird uns ein Bild von Jesus gemalt, das ihn als
Orientierungsperson zeigt.
Er ist es, der den Kontakt zu Gott ermöglicht. Den Weg zum
Vater zeigt. Noch mehr, der die-sen Weg darstellt und verkörpert.
2. Jesu Einladung oder für wen ist eine
Gemeinde da?
Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig
und beladen seid, ich will euch erquicken.
Es steckt die Frage drin: Für wen ist eine Gemeinde da und
was passiert in ihr?
Da klingt zuerst keine Abgrenzung durch, sondern eine unbedingte
Einladung. Jesus lädt in seine Gemeinde nicht die besonderen
Menschen ein. Nicht die, die würdig sind. Die etwas vorzuweisen
haben. Sondern gerade die, die mühselig und beladen sind. Die
Menschen, die Lasten mit sich herumtragen. Die Menschen, die nicht
gut funktionieren. Die Menschen, die etwas drückt. Das zeigt
sich ja auch im Leben Jesu. Er ging zu Kranken hin. Zu Menschen,
die nicht dazu gehörten. Zu Sündern, zu anderen, zu denen
die Menschen keinen Kontakt mehr wollten. Genau zu denen. Ihnen
gilt zuerst die Einladung Jesu.
Es gibt Gemeindekonzepte, die sich an ganz anderen Menschen orientieren.
An Menschen, die gut verdienen. Die leistungsfähig sind. Die
erfolgreich im Beruf sind.
Es ist ja auch gut, wenn solche Menschen zu Jesus finden. Nur als
Gemeindekonzept gibt es da ein Reihe von Fragen.
Bei Jesus finde ich einen anderen Akzent. Er richtet sich genau
an die, die sonst unter die Räder kommen. Die sonst keine Beachtung
finden.
Gemeinde, offen für Menschen,
die sonst keinen Platz haben. Die lästig sind. Oder unter die
Räder kommen. Und Gemeinde kann dann der Ort sein kann, an
dem eine wirklich umfassende Erquickung stattfindet.
Damit Menschen spüren können: Hier zählen nicht die
Maßstäbe, die die Gesellschaft sonst anlegt. Hier zählt
nicht der Maßstab der Leistungsfähigkeit. Und nicht der
Maßstab der gesellschaftlichen Wichtigkeit. Hier zählt
einzig und allein der einzelne Mensch. Der ist Gott wichtig. Und
zwar ohne Unterschiede. Und der einzelne Mensch kann erfahren: Hier
bin ich angenommen. Hier kann ich mit meinem Leben, mit meinen Freuden
und mit meiner Last kommen. Da muss ich nicht erst was darstellen.
Da reicht es erst mal, wenn die da bin. Wenn mir die offenen Arme
Jesu begegnen und ich Menschen begegne, die eben das leben, die
offenen Arme Jesu.
Gemeinde als Raum der Veränderung.
Und noch ein weiteres steckt darin. Wenn Menschen mit ihrem ganzen
Leben kommen, wenn Menschen Erquickung erfahren, dann verändert
sich was Grundlegendes in einem Leben. Gemeinde ist damit auch der
Raum, in dem Veränderung erfahren und gelebt wird. Es muss
niemand so bleiben wie er oder sie ist. Es wird niemand auf ein
bestimmtes Bild festgelegt. Menschen können und dürfen
sich ändern, weil sie in die heilsame Nähe Gottes gekommen
sind.
3. Lernt von mir,
fordert Jesus auf. Eine Gemeinde ist eine Lerngemeinschaft, weil
sie sich an Jesus orientiert. Mit ihm und gemeinsam das Leben zu
bewältigen sucht.
Jesus fordert sehr bewusst auf, von ihm zu lernen. Von seiner Art
und von seinem Leben.
Da schließt sich der Kreis wieder zum ersten Punkt. In Jesus,
der die Orientierung für eine Gemeinde bietet.
Von ihm lernen, sich an ihm orientieren, eine Gemeinde des Aufatmens
und der Veränderung sein und werden, das ist der Wunsch, die
Hoffnung, das Ziel.
Das lässt sich nicht so einfach als Programm umsetzen. Damit
ist nicht schon klar, was wir morgen oder übermorgen tun sollen.
Da ist viel mehr Orientierung am Wort. Zielorientierung! Und in
Bewegung setzen. Es ist zu wünschen, dass uns Jesus selbst
in Bewegung setzt – zu ihm hin und zu Menschen hin. Dass er
uns so ergreift, dass wir von ihm geprägt sind.
Und unsere Gemeinschaft ebenso.
Ulrich F. Ziegler, 2006, Paulusgemeinde Nürnberg
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Verkündigung:
Jesus in der Zukunft
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Dann
wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen
und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf von
ihnen waren töricht, und fünf waren klug. Die törichten
nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. Die klugen aber
nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen.
Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig
und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe,
der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen! Da standen diese
Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. Die törichten
aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre
Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nein,
sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber
zum Kaufmann und kauft für euch selbst. Und als sie hingingen
zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit
ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. Später
kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns
auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne
euch nicht. Darum wachet! Denn ihr wißt weder Tag noch Stunde.
Evangelium nach Matthäus, Kapitel 25, 1 -
13
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