Evangelisch-methodistische Kirche
Bezirk Nürnberg - Paulusgemeinde

Gemeindebrief online - 09.2001

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"Gott spricht: Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist."
Hesekiel 34,16


Liebe Leserin, lieber Leser!

"Wir sind in Gottes Hand"
In diesen Wochen gelingt es nur schwer, die Bilder vom 11. September diesen Jahres zu verdrängen. Menschen stehen zusammen, und an vielen Orten scheint es nur ein Thema zu geben. Wir werden uns bewusst, wie wenig friedlicher das menschliche Zusammenleben geworden ist. Ende November stehen wir nicht nur vor den Gedenktafeln an die Opfer der beiden Weltkriege und des Holocaust im vergangenen Jahrhundert, sondern auch vor dem tausendfachen Leid, das skrupellose Menschen in New York angerichtet haben. "Die Welt wird sich verändern," so sagen viele. Aber eigentlich müsste man doch sagen: "Die Welt wird sich wieder einmal verändern."
Wie eine Herde verlorener, verirr-ter, verwundeter und geschwächter Schafe - damit vergleicht die Bibel den Menschen angesichts der geschichtlichen Katastrophen. Und was braucht eine hilflos gewordene Herde mehr als einen Hirten?
Gott spricht: Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. (Hesekiel 34,16)
Gott spricht in diesem Kapitel gegen die hilflosen Hirten des Volkes Israel. Er selbst werde sich seiner Herde annehmen und ihnen einen gerechten Hirten erwecken. Die "verlorenen Schafe" sind Gott nicht egal. Er selbst macht sich auf den Weg und sucht sie. Das Gleichnis vom "verlorenen Schaf" in Lukas 15,1-7 bringt das auf den Punkt. Gott sucht jeden von uns, egal ober er arm oder reich ist, krank oder gesund, attraktiv oder ein Mauerblümchen, zickig oder langweilig - Gott sucht alle. Gott bringt die "verirrten Schafe" zurück. Selbst die, die offenen Auges aus der Herde ausgebrochen sind - weil andere Weiden scheinbar attraktiver waren - selbst sie werden von Gott nicht aus den Augen gelassen. Wird er auch die Terroristen zurückbringen und ihnen klar ma-chen, was sie mit ihrem Hass an-richten? Gott verbindet die "ver-wundeten Schafe". Die hilflosen Hirten hatten sich an deren Verlet-zungen nur bereichert. Allein Gott kann die Wunden der Katastro-phenopfer heilen. Auch unsere Wunden und Verletzungen brauchen Gottes heilende Kraft. Vertrauen wir darauf, dass er auch unsere tiefsten Verletzungen heilen kann?
Die Herde Gottes besteht nicht nur aus weggelaufenen, verirrten und verwundeten Schafen. Auch die "fetten und starken Schafe" behütet er. In Gottes Herde gibt es viele Schafe, die mit Gott leben und deren Vertrauen in ihn mit der Zeit gewachsen ist. Ihr Glaube hält auch der Todesangst stand. Gott ist sei-ner aufgescheuchten Herde in Jesus nahe und spricht zu uns: "Hör auf, dich zu quälen. Vertraue mir, dem guten Hirten!" Der gute und ge-rechte Hirte ist der Nachkomme aus dem Haus Davids (Hes 34,23). Jesus selbst hat die Verlorenheit und menschliches Leid am Kreuz erlitten. Er kann auch unseren aufgescheuchten Zustand ermessen.
Wagen wir es in diesen Tagen, Gott zu vertrauen. Dann werden wir nicht ins Bodenlose fallen, sondern in seine Hand. Beten wir im Vertrauen zum guten Hirten, dass Vergebung und nicht sinnlose Vergeltung die Hirten dieser Welt leiten möge.

Markus Ebinger



AUS KIRCHE UND GEMEINDE

EmK - Missionsssammlung

Mit dem beiliegenden Kuvert bzw. dem darin liegenden Betrag können Sie die Arbeit unserer Weltmission unterstützen. In einer Reihe von Ländern arbeiten Leute aus Deutschland bei unserer Partnerkirche. Über Projekte informieren regelmäßige Rundschreiben, die in den Gemeinden ausliegen.

Gottes Wort

will uns auch durch das Jahr 2002 begleiten. Eine Hilfe dazu sind An-dachtskalender und Losungen.
Christliche Kalender sind besonders geeignet zum Weitergeben. Auch das kann ein missionarisches Zei-chen sein.
An unseren Büchertischen können Sie jetzt wieder die angegebenen und bewährten Kalender und viele andere darüber hinaus erwerben:

"Wort für heute",
Abreißkalender: DM 13,40

Losungen der Brüdergemeine
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Großdruck kartoniert: DM 8,90

"Termine mit Gott": DM 7,90
"Mit der Bibel durch
das Jahr": DM 16,90


Liebe Paulusgemeinde,

Pivnice, den 6.9.2001
Fast eine Woche sind wir nun schon in der Vojvodina und so einige Erlebnisse liegen hinter uns, an denen wir Euch gern teilhaben lassen wollen.
Die Fahrt hierher verlief problemlos, und auch unsere Sachen sind problemlos über alle Grenzen gekommen. Am Novi Sad`er Zollhof gab es einige Schwierigkeiten. Man stellte uns in Aussicht, den gesamten Inhalt des Lastwagens in ein Lager ausladen zu müssen, wo es dann kontrolliert werden würde. Die Konsequenzen wären nicht nur viel Arbeit, sondern Gebühren für die Lagerung unserer Sachen, und der Lastwagen würde wegfahren. Eine Nacht blieben erst mal unsere Sachen plus Lastwagen auf dem Zollhof.
Am nächsten Tag kam alles anders. Ein anderer Zollbeamte als am Vor-tag hatte Dienst und 50 DM Schmiergeld genügten, dass er nur eine kurzen Blick in den Lastwagen warf und sagte: "Fahrt schnell weg!"
Auf dem Balkan ist alles möglich oder auch nichts.
Jetzt sind unsere Sachen in Pivnice, und wir sind Gott sehr dankbar, dass er uns und unsere Sachen beschützt in Jugoslawien hat ankommen las-sen.
Gestern haben wir uns einen Herd und Kühlschrank gekauft und natürlich dabei an Euch gedacht. Vielen, vielen Dank noch mal für Eure Un-terstützung. Am Montag werden dann noch die Spüle und Schränke eingebaut, so dass wir dann die Küche nutzen können.
Ich denke, in einer Woche wird dann alles an seinem Platz stehen. Am Haus müssen noch einige Kleinigkeiten repariert werden, z.B. eine heute abgefallene Balkontür wieder befestigen, die Fenster abdichten...
Manches am Haus kann man nicht ändern, z.B. das gelbe Wasser aus den Leitungen. Das war vielleicht ein Schock für mich. Inzwischen haben mich viele beruhigt: Das ist staatlich geprüftes, sehr gutes Was-ser. Die Farbe und auch der Geruch sind eben gewöhnungsbedürftig.
Die Leute lachen über meine Befürchtungen, aber auf liebe Art.
An so manches werden wir uns gewöhnen müssen, z.B. dass es hier keine Müllabfuhr, geschweige denn Mülltrennung gibt, und jeder seinen Müll selbst wegbringen muss.
Bei Behördengängen muss man viel Geduld haben, wird von einer Stelle an die andere geschickt oder bekommt je nach Beamten unterschiedliche Auskünfte.
Wenn man hier durch die Dörfer fährt, kann man oft gar nicht glauben, in welchen Behausungen hier einige Leute leben müssen. Die Häuserwände sind schief, faulig und dreckig und rund ums Haus ist ein reines Durcheinander an Holz, Bauschutt, Wäsche u.a. Da sind wir wirklich dankbar, in einem so schönen Haus wohnen zu können. Aber es gibt hier natürlich auch sehr schöne Häuser, neue Häuser und es wird auch verstärkt gebaut.
Als wir auf dem Weg nach Jugoslawien waren, ging es mir nicht gut und manchmal weiß ich nicht, ob es mir jetzt besser geht. Was soll ich sagen: Ich lebe, ich erzähle soweit es eben mit der Sprache geht, ich lache, wenn jemand einen Witz erzählt, ich spiele mit Emma und freue mich an ihr... Aber diese "Alltäglichkeiten" kosten mir irgendwie viel Kraft. Ich versuche, ruhig zu bleiben, möchte nicht unbedingt ausführlich auf die Frage der anderen antworten: "Wie geht es Dir?" Alle sind ganz nett und sorgen sich um mich, um uns. Emma ist für alle eine Freude.
Von Mihal`s Vater habe ich gleich am ersten Tag Holzpantinen be-kommen. Ich dachte: jetzt fehlt nur noch Kopftuch, Rock und Fahrrad und ich bin komplett. Mihal`s Mutti erzählte mir, dass viele Menschen sehr viel für mich beten, dass ich mich hier einleben werde u.s.w.
Einerseits bin ich dankbar dafür, aber andererseits ist diese Erwartung, diese Hoffnung der anderen, dass "schon alles gut hier wird", wie eine Schlinge um meinen Hals. Was, wenn eben "nicht alles gut wird" ? Vielleicht bin ich ungerecht, ich weiß es nicht. Wir denken sehr oft an Euch und sind dankbar für die schöne Zeit in Nürnberg.
Manchmal schließe ich die Augen und dann laufe ich durch die Straßen von Nürnberg, gehe in die Wattstra-ße, in unsere Wohnung, treffe je-manden im Haus, höre die Kinder im Haus oder den Posaunenchor am Freitagabend oder die Orgel am Sonntagmorgen. Jemand von Euch ruft uns an oder besucht uns ...Und wenn ich das schreibe, kommen mir die Tränen. Es fällt mir schwer, loszulassen.
Aber ich/wir freuen uns schon sehr, wenn viele von Euch (endlich!!) zu Pfingsten kommen. Bis dahin freuen wir uns sehr, von Euch zu hören und/oder zu lesen. Uns interessiert sehr, was in der Gemeinde so alles geschieht und wie es Euch geht.
Bleibt beschützt und behütet und Gottes Segen für Euch.
In Verbundenheit
Eure Familie Hrcan

 

 

last update: brf_0109.htm / 26.12.2005
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